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Wozu mehr Selbstmitgefühl?

Sie kennen bestimmt das Bedürfnis, mitfühlend und fürsorglich mit den Menschen zu sein, die Ihnen wichtig sind. Besonders, wenn es einem nahestehenden Menschen nicht gut geht. Diese menschliche Fähigkeit zu Mitgefühl und Freundlichkeit können wir auch auf uns selbst anwenden – das ist Selbstmitgefühl.

Doch allzu oft schließen wir uns selbst vom Mitgefühl aus. In unserer Kultur ist es sehr verbreitet, selbstkritisch und streng mit sich selbst umzugehen, wenn wir schwierige Zeiten durchmachen, etwas nicht geschafft haben, versagt haben oder etwas an uns nicht leiden mögen. Die Selbstkritik soll uns motivieren, uns mehr anzustrengen, besser zu werden, anders zu sein.

Wie sprechen Sie mit sich, wenn Ihnen Fehler unterlaufen, etwas schief läuft – bei der Arbeit, bei Plänen, die nicht funktionieren? Wenn Sie gesundheitliche Probleme haben? Nehmen Sie sich die Zeit, einen Moment innezuhalten, Ihren Schmerz, Ihr Peinlichkeitsgefühl oder Ihre Traurigkeit wahrzunehmen? Begegnen Sie sich mit kritisierenden Selbstgesprächen oder freundlich und verständnisvoll?

Selbstmitgefühl gibt uns die emotionale Stärke und Widerstandsfähigkeit, um uns unsere Unzulänglichkeiten einzugestehen, uns mit Freundlichkeit zu motivieren, uns zu vergeben und um auf authentische Weise wir selbst zu sein.

Sich mit Mitgefühl zu begegnen, hat nichts mit Schwäche zu tun. Uns allen begegnen immer wieder Schwierigkeiten im Leben oder wir fühlen uns unzulänglich. Das ist menschlich! Statt den Kummer und Schmerz in diesem Moment zu fühlen, gehen wir oft in den Widerstand: Wir versuchen uns zusammen zu reißen, kritisieren uns für unser Verhalten oder schämen uns dafür, dass uns so etwas passiert. Das ist Härte, nicht Stärke! Statt destruktiver Gedanken und ständiger Selbstkritik, die auch mit Depression und Ängsten in Verbindung gebracht werden, unterstützt uns Selbstmitgefühl, uns so anzunehmen, wie wir sind: nicht perfekt, aber wert geliebt zu werden. Aus Selbstmitgefühl erwächst die Stärke, sich verantwortlich um das eigene Wohlergehen zu kümmern.

Selbstmitgefühl lässt uns auch nicht in Selbstmitleid versinken. Wenn ich mich selbst bemitleide, denke ich „Ich Ärmste!“, bin selbstbezogen und fühle mich isoliert in meinem Leid. Selbstmitgefühl dagegen basiert auf dem Wissen, dass Leiden Teil unseres gemeinsamen Menschseins ist. Schon dieses Gefühl der Verbundenheit kann Trost schenken. Und wer freundlicher mit sich selbst umgeht, geht auch mit anderen Menschen freundlicher und verständnisvoller um.

Wozu braucht es achtsames Selbstmitgefühl?

Eine achtsame Haltung lässt uns den Schmerz, den Kummer, das Schamgefühl überhaupt erst einmal wahrnehmen statt darüber hinwegzugehen. Häufig reagieren wir sofort mit Beschwichtigungen, z. B. „Ist doch egal.“, „Ist nicht schlimm.“, oder Verurteilungen wie „Warum schaffst du das nicht?“. Auch suchen wir oft sofort nach Lösungsstrategien. Doch nur, wenn wir wahrnehmen, dass wir gerade leiden, können wir uns das Selbstmitgefühl schenken, das wir in diesem Moment brauchen.
Achtsamkeit unterstützt uns auch dabei, uns nicht in das Leid hineinzusteigern. Wenn wir die schwierigen Gefühle und Gedanken in unserem Gewahrsein halten, lehnen wir sie nicht ab, identifizieren uns aber auch nicht zu stark mit ihnen. So dramatisieren wir die Gefühle nicht und verfallen weniger in automatische, oft negative Reaktionsmuster.

Mit Achtsamkeit und Selbstmitgefühl schaffen wir die Bereitschaft, dem Nicht-Perfekten des menschlichen Daseins zu begegnen, uns unserem Schmerz liebevoll zuzuwenden, uns zu umsorgen und uns das zu geben, was wir wirklich brauchen. Wir vergeben uns schneller, erholen uns schneller von emotionalen Verletzungen und motivieren uns zu notwendigen Veränderungen mit Freundlichkeit.

Achtsames Selbstmitgefühl ist eine mutige innere Haltung, die uns Kraft und Zuversicht verleiht, mit den Herausforderungen des Lebens freundlicher und ausgeglichener umzugehen.

4-Tage Praxiskurs Selbst-Mitgefühl

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07.11. bis 12.11.2018
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